Ein Tag im Frauengefängnis in Madrid

Mai 2018:

Es ist mir ein Vergnügen, mein Blog für die Deutsche Übersetzung von Xaver Platz in Twitter des Katalanischen Artikels der Schwester von Dolors Bassa über einen normalen Tag im Frauengefängnis zur Verfügung zu stellen:
Conte de Montse Bassa sobre la presó d’Alcalá Meco a Madrid.

Schliesse Deine Augen und stell Dir einen Raum von acht Quadratmeter in Deinem Haus vor. Nun stell Dir auch ein Bett aus Metall, einen Stuhl, eine Betonbank, eine Toilette ohne Deckel und eine Dusche vor. Ohne Wände, ohne Türen… Wähle einen Arbeitskollegen und stell Dir vor, dass ihr Euch in einen solchen Raum 80 Tage lang 16 Stunden am Tag darin einschliesst.

Bist Du überwältigt? Nun, dann füge Deinen Gedanken diesmal eine Eisentüre hinzu, die jedesmal quitscht, wenn sie Dich einschliessen, rundherum alte graue Mauern und an der Wand ein winziges kleines Fenster, durch das Du nur eine mit Stacheldraht versehene Mauer in der Ferne sehen kannst… Und Du wirst nicht zuhause sein, sondern im Gefängnis von Alcalà-Meco, nordostlich von Madrid.

Nun stell Dir vor, Du hättest gerne ein Buch aus der Bibliothek, aber Du kannst nicht; heute ist das nicht möglich. Du kannst nur Donnerstags zur angegeben Zeit in die Bibliothek gehen. Stell Dir vor, Du würdest gerne drei Bücher mitnehmen, aber das geht nicht, weil es gegen die Regeln ist.

Es ist Essenszeit und Du möchtest mit jemandem sprechen, möchtest beim Frühstück, beim Mittag- oder beim Abendessen mit jemandem über das Leben reden. Aber das geht nicht. Du musst auf dem Stuhl sitzen, der Dir am ersten Tag zugewiesen wurde, Du musst eilig essen und dann schweigend warten. Und Du bist durstig, und musst dagegen Wasser kaufen, denn es wird kein Wasser zu den Mahlzeiten ausgeteilt. Und Du würdest so gern Früchte und Salat oder Fleisch oder ein einfach gebratenes Fisch essen, aber nein… Das geht nicht; das Essen, dass Du jeden Tag erhältst, ist nicht gesund.

Und Du musst aufs WC gehen, aber das Dir monatlich zugeteilte Toilettenpapier ist aufgebraucht und Du musst noch zusätzliches kaufen.

Und heute regnet es und Du kannst nicht hinaus in den Hof zum Spazieren gehen. Du entscheidest, Dich wie ein Teenager auf dem Bauch in Deiner Koje auszustrecken und Deinen Kindern zu schreiben und auf den Umschlag einen Bild für Deine Enkeltochter zu zeichnen. Und Du schaust Dir die Photos an, die Du mit Zahnpasta an die Wand geklebt hast. Das haben Dir Deine Mithäftlinge beigebracht.

Und Du kannst nicht warten, bis das Wochenende kommt und Du Deine Familie sehen wirst, für Vierzig Minuten hinter einer Glasscheibe. Und Du hoffst, dass Du keine Träne vergiessen wirst, damit sie nicht denken, Du hättest ein hartes Leben und Du so tust, als ginge es Dir gut, Du wärest stark und entschlossen, auch wenn Dein Herz weint, weil Du sie nicht umarmen kannst. Und sie bitten Dich, lauter zu sprechen, weil sie Dich nicht hören, und Du lächelst, wenn Du näher dem Mikrophon herangehst, das unter diesen kleinen Chromlöchern verborgen ist. Und Ihr küsst Euch einander durch dieses dreckige Fenster hindurch, aber das spielt auch keine Rolle, denn es sind Dein Fenster und Deine Welt, die Welt, die Dir erlaubt, Deine Lieben zu sehen.

Und sie verlassen Dich und Du gehst zu Deiner Zelle zurück und schliesst die Augen. Und stellst Dir vor, wie Dein eigenen Haus aussieht und Du erinnerst Dich an die Momente der Freiheit und Du entscheidest Dich, durchzuhalten, weil Du weisst, dass weder Du noch Dein Zellenkollege das Unrecht Eurer Gefangenschaft erleben solltet.
Und Du hoffst und wünscht, dass das nicht normal wird und Du wartest.

Du hoffst, dass es Gerechtigkeit gibt und Du weisst, dass es bald der achzigste Tag sein wird, den Du hier verbringst und Du kannst es ertragen, weil Du stark bist und Dich mit Deinem Volk solidarisch fühlst. Der Volk der Dich aus diesem Albtraum befreien wird.

Und Du schläfst ein… Du schläfst ein, und Du siehst den Montgrí, Deine geliebten Bergen.”

Montse Bassa i Coll, 7. Mai 2018

One thought

  1. Danke für diesen Artikel, der es greifbar macht, was eine politisch motivierte Inhaftierung für die und den Einzelne(n) jeden Tag bedeutet. Ich fürchte, es ist den wenigsten Menschen bewusst, vor allem denjenigen nicht, die die gelben Schleifen herunterreißen.

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